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Einen Gospelchor leiten - mein Weg zum Ziel

Ich stamme vom Kieler Ostufer. In unsere Kirche kamen jedes Jahr die Gospelsänger der Marine mit „Gospels, Shanties und Folklore“. Das Liederbuch besitze ich heute noch. Gleichzeitig mit Schule und Blockflötenunterricht begann ich im Kindertanzkreis.
Mit Zwölf Jahren fing ich an, Gitarre zu spielen. Ich hörte Musik von Simon & Garfunkel, Pink Floyd und den Beatles und spielte die Songs mit Freunden nach, mit ansatzweise mehrstimmigem Gesang. Im Jugendtanzkreis lernte ich meine heutige Frau Andrea kennen. Paul Simon war es, der mich 1987 zum ersten Mal mit südafrikanischer Musik in Berührung brachte. Im Radio hörte ich Ausschnitte aus seiner „Graceland“-LP mit Musikern aus Südafrika und dem einmaligen Männerchor Ladysmith Black Mambazo. Als ich 1989 als Gitarrist des MBK-Gospelchors auf dem Kirchentag in Berlin war, sah ich Auftritte der südafrikanischen Martin-Luther-Kantorei. Ich war tief beeindruckt von den Stimmen, den Rhythmen und Harmonien. In dieser Zeit keimte in mir der Wunsch, selbst einen Gospelchor zu leiten.
Da man an afrikanische Chormusik praktisch nicht herankam, begann ich, mich mit Gospelmusik aus Nordamerika zu beschäftigen. Ich spielte und sang im MBK-Gospelchor unter der Leitung von Frie Bräsen, außerdem in Heino Pietschmanns Ökumenischer Kantorei Dietrichsdorf. Aus diesem klassischen Kirchenchor ging das A-Cappella-Quartett „Die Vokalmatadore“ hervor, das zunächst Gospel sang, dann aber in Parodien und Comedy abdriftete und diese heute noch erfolgreich pflegt.
Hauke singt mit
Zu Beginn meines Theologie- und Deutschstudiums ab 1989 machte ich die ersten Gehversuche als Gospelchorleiter. In einer Musicalproduktion junger Erwachsener in der Kieler „Räucherei“ komponierte, textete und organisierte ich und spielte E-Bass. Nach und nach gelang es mir, Aufnahmen und Noten von südafrikanischer Chormusik aufzutreiben. Ich schrieb Chorsätze heraus, die ich im MBK-Gospelchor einübte. Dort leitete ich inzwischen die Band und arrangierte für Instrumente und Stimmen.
1992/93 war ich für neun Monate als Theologiestudent in Montpellier/Südfrankreich, wo ich im Chor eines evangelischen Vereins afrikanischer Studenten sang. Der Chorleiter und Gitarrist Emmanuel Djob ist bis heute eins meiner Vorbilder. Nach meiner Rückkehr wurde ich für einige Jahre Radiojournalist beim Evangelischen Rundfunkdienst Nord und beschäftigte mich dabei viel mit religiösen Popstücken. Mein Studium unterbrach ich zunächst.
Hauke dirigiert
1996 übernahm ich von Sylvia Goltz den Gospelchor Holtenau, den sie ein Jahr zuvor gegründet hatte. Gleichzeitig nahm ich an der Ausbildung der Nordelbischen Kirche zum C-Kirchenmusiker für Jazz/Rock/Pop teil. Mit dieser Qualifikation konnte ich im Kieler Hans-Geiger-Gymnasium von 2001 bis 2003 vertretungsweise Musik unterrichten und Chöre aufbauen. Ich besuchte Gospelworkshops mit Charles May, Andráe Crouch, Debbie Cameron, Scott Stroman und Christoph Schönherr und guckte mir von jedem etwas ab.
2003 bis 2006 nahm ich mein Studium wieder auf und wurde anschließend Referendar für Deutsch und Religion. Seit meinem Zweiten Staatsexamen als Gymnasiallehrer 2008 unterrichte ich Musik und Religion an der Grund- und Gemeinschaftsschule Boostedt bei Neumünster, dort leite ich auch den Kinder- und den Jugendchor. Im Herbst 2009 konnte ich endlich zum ersten Mal nach Afrika reisen – eine kleine Chortournee führte 36 Chormitglieder mit neun Chören und zwei Folkloreensembles zusammen, von denen wir alle viel lernten – allen voran die Martin-Luther-Kantorei aus Lebowakgomo, die mich 1989 auf den Pfad südafrikanischer Chormusik gesetzt hatte.
Einen großen Gospelchor zu leiten war lange mein Ziel. Heute habe ich das große Glück, dass eine große Gemeinschaft von sehr liebenswerten und fähigen Menschen mit mir in Holtenau meine Leidenschaft für schwarze Kirchenmusik auslebt, mit mir singt und tanzt und mit vergleichsweise einfachen musikalischen Mitteln große Wirkung erreicht. Gospel kommt aus dem Elend und erhebt den Menschen zu neuer Würde und Kraft. Mir ist wichtig, dass unsere Musik auch Lebenshilfe ist – einerseits für die Sängerinnen und Sänger, die Kraft aus dem Singen und Tanzen, den religiösen Texten und der Gemeinschaft gewinnen, andererseits für Menschen in Afrika und in unserer Umgebung, denen unsere Konzertkollekten helfen, ihr Leben zu meistern.

Hauke Petersen